Still loving Sommerschlacht – das Interview

Die Sommerschlacht in Wakenstädt bei Gadebusch bei Schwerin hat sich schon lange zu einem der schönsten Punkfestivals in Meck Pomm gemausert. Hippiemäßiger als das Punx Picnic in Neubrandenburg, besuchen es zwar auch etwas mehr Leute aus Westdeutschland, die Getränke sind aber immer noch bezahlbar 😉

Tatsächlich ist die Sommerschlacht das Festival, auf dem ich mich am allerliebsten rumtreibe. Sie ist eine unfassbar liebevoll aufgezogene Punk-Oase in der Provinz, in der Gäste und Orga entspannt sind wie sonst selten irgendwo. Standards sind vegane Leckereien, auch alkfreie gute Drinks neben jeder Menge Hochprozentigem, die beste Festivaldeko und lustige Denkmäler auf dem Weg zum Festivalgelände. Verankert ist das Festival im KuT, einem der wenigen langjährig gehegten und kollektiv erhaltenen Freiräume in Meck Pomm.

Das zweite Augustwochenende im Jahr ist mittlerweile auch für viele andere ein fester Termin im Kalender; das 15. Jubiläum der Sommerschlacht war 2019. Festivalausgabe Nr. 16 verschiebt sich ins Jahr 2021. We know why.

Also hier zur Überbrückung ein Austausch zur Sommerschlacht und zum KuT, mit aktuellen Infos, und ein digitaler Prosit auf die Geschichte und Zukunft beider Strukturen! Geantwortet haben Tee, Fabi und Jo. (Besondere Grüße gehen auch raus an Lizzy und Baum!)

Ach, und unten finden alle Gäste der letzten Jahre, Stand-People, Bands, Wakenstädter_innen und (Groß-)Eltern der Crew noch einen kleinen D.I.Y.-bzw. D.I.T (Do It Together)-Aufruf zum Festival 🙂

Hallo, Sommerschlacht-Crew. Viele von euch sind im KuT, bzw. Kulturbeutel organisiert, einem alternativen Zentrum, das viele Konzerte in Gadebusch veranstaltet. Wie ist es so, beide Projekte am Laufen zu halten? Gibt es zwei verschiedene Konzertgruppen oder überschneidet sich die Orga? Und ist die Sommerschlacht quasi das Sommer-Programm und KuT-Konzerte decken die anderen Jahreszeiten ab?

Tee: Die Sommerschlacht wird von allen KuTlern übernommen, es gibt keine Trennung der Orga der Sommerschlacht und der Konzerte. Man darf nicht vergessen, dass wir uns in Gadebusch befinden, d.h. wir sind jedes Jahr aufs Neue froh, dass sich genug Leute finden, die beim Auf- und Abbau und Durchführung der Sommerschlacht helfen. Da helfen natürlich viele viele Menschen mit, die sonst auch eher selten im KuT sind, anders wäre die Sommerschlacht garnicht zu stemmen. Anders sieht es bei den Konzerten aus: Die werden inzwischen oft von den gleichen fünf bis zehn Leuten organisert…funktioniert aber auch irgendwie. Diese Konzerte finden dann des Rest des Jahres statt, im Sommer machen wir immer ca. 3 Monate Sommerpause, in denen dann auch die Sommerschlacht stattfindet.

Fabi: Naja, so richtig verschieden sind die nicht. Die Sommerschlacht-Orga Crew ist natürlich größer, ist ja auch ne größere Veranstaltung. Zu nem Sommerschlachtsplenum kommen dann gern ma so 20+ Leute, bei normalen Plena zu Konzerten dann die Hälfte. Leider dürfen wir ja seit unserer Feier zum 20. K.u.T. Geburtstag keine Konzerte mehr veranstalten, da wir wohl dezent zu laut waren und ein zu großes ACAB-Schild aufgehängt  wurde… ups. Seitdem gibt’s nur noch vereinsinterne Konzerte (Probe-Vereinsmitgliedschaft für ’ne Woche gibt’s an der Tür..)

Jo: Hallo, hallo Kadda! Erstmal: Was heißt hippiemäßiger? 😀 Im Vergleich zum Punx Picnic NB ist die Sommerschlacht schon fast ein Dorffest (immerhin kommen auch die Eltern, Großeltern der Crew/Anwohner die mehr Bock auf das Festival haben, als auf die Leute von der Schützengilde die da sonst rumballern). Und dass „gefühlt“ mehr Leute aus Westdeutschland kommen, liegt vielleicht daran, dass da ganze ziemlich „westlich“ stattfindet. Wobei das letztendlich auch egal ist, ob OST oder WEST. Hauptsache, geile Fete!!!

An sich funktioniert das gut mit beiden Projekten, wobei Planung und Aufwand natürlich zwei unterschiedliche Sachen sind, die letztendlich dann doch von den selben Leuten geplant werden.. Im Kulturbeutel findet eigentlich ein Konzert im Monat statt. (Jedenfalls bis Oktober 2017. Nach unserer 20-Jahre Vereinsbestehensfete haben wir ein komplettes Veranstaltungsverbot von der Stadt Gadebusch/ Polizei aufgedrückt bekommen. Unter anderem wegen Ruhestörung. Das genauer zu erläutern würde jedoch ein ganzes Heft füllen. Wir arbeiten aber daran, diesen Zustand wieder zu ändern)

Grundsätzlich treffen wir uns einmal im Monat zum Plenum. Dabei werden die Konzerte gemeinsam geplant, aber auch die natürlich die Sommerschlacht. Dazu kommen auch andere Veranstaltungen, wie Lesungen, Kicker-/ Darttuniere, Kneipen- und Filmabende.

In Vorbereitung auf das Festival gibt*s noch weitere Treffen. Zum Beispiel, welche Künstler_innen lassen wir diesmal auf die Bühne? Da hat jeder so seine Vorschläge und Lieblingsbands. Dann noch die Bands hören, die angefragt haben. Das kostet viel Zeit und manchmal auch Nerven. Das kann schon mal ein längerer Tag werden.

Die Sommerschlacht ist schon das Sommerprogramm, ja. Da brauchst du keine Konzerte machen, da eh alle jedes Wochenende auf anderen Festivals sind oder Urlaub machen. Und ne kleine Konzertpause ist ja auch für die Crew schön, um auch selbst mal loszutingeln. Alle Mitwirkenden machen ja alles ehrenamtlich und haben ja auch andere Hobbys. Angeln zum Beispiel. Oder Wandern. Punk vom Dorf liebt die Natur 😉

Berüchtigt bei verwöhnten Stadt-Kids sind die Winterkonzerte im Kulturbeutel. Erinnert ihr euch an das kälteste oder anderweitig anstrengendste Konzert?

Tee: Puh. Eigentlich sind alle Konzerte im KuT anstrengend. 🙂 Im Winter heißts natürlich erstmal nachmittags schon den Ofen anheizen, auf dem Dixi neben dem KuT friert man sich beim Pinkeln den Arsch ab und am Lagerfeuer wird alles verheizt, was nicht niet- und nagelfest ist… Klingt nach nicht ganz so optimalen Zuständen, ist aber schon immer so KuT und wird wohl auch erstmal so bleiben…macht aber trotzdem Spaß!

Fabi: Ich erinner mich an ein Konzert, als wir zum Aufbau kamen und diverse Flaschen Bier hinterm Tresen geplatzt sind, weil sie gefroren waren. Aber bei jedem Winterkonzert ist die große Herausfoderung, den Konzertraum auch nur einigermaßen auf Temperatur zu kriegen. Da gehen diverse Raummeter Holz in 1-2 Stunden durch, und es passiert so gut wie nix. Da haben die ersten Bands, bei denen erfahrungsgemäß weniger Leute im „Saal“ sind und die die Luft aufheizen, meist noch dicke Mützen und Schals zum Spielen an.

Jo: Ob ein Abend anstrengend war kann ich gar nicht sagen. Bloß bei Kälte fallen mir mehrere Sachen ein. Januar 2014 mit Kaput Krauts, Pisse und Suckerpunch (Pisse sollten im Bauwagen schlafen und das war so kalt, dass sie nach Schwerin ins Komplex zum Schlafen gefahren sind – da hatten sie schon den Abend zuvor gespielt).

September 2013 mit Tesla Cessna, Gehacktes und Reisegruppe Morgenthau. Kältetechnisch ähnliches Szenario, wobei da alle im Bauwagen gepennt haben. Kalt war es trotzdem megamäßig und alle haben gefroren. Dafür kann man aber sagen, dass die Abende immer super waren. Fazit: An alle Bands, im KultUrbeutel ist es kalt, aber die Party ist heiß!!!. Nein, nein, ich denke das haben wir mittlerweile ganz gut in den Griff bekommen mit dem Ofen (lacht).

Wie hat sich der KuT e.V. damals vor über 20 Jahres gegründet?

Tee: Dazu kann ich weniger sagen, da ich erst 2010 aus Bayern nach Meck-Pomm geflüchtet bin und dann erst das KuT langsam kennenlernte… Ich kenne viele der Gründungsmitgleider nur noch aus Erzählungen, was aber auch nicht verwunderlich ist nach 23 Jahren KuT…

Fabi: Da war ich 7, von daher keine Ahnung. Von den älteren Leuten würde ich das kurz und knapp so zusammenfassen: „Da gabs ein paar Punks, die hatten Bock was eigenes auf die Beine zu stellen. Da gabs ne passende Baracke. Da sind die dann rein. Zack feddich: K.u.T.“

Jo: Also ich kann nur das weitergeben, was mir erzählt wurde, da ich zu der Zeit gerade mal in der dritten Klasse gewesen bin. Aber soweit ich weiß gab es Leute, die hin und wieder Konzerte veranstaltet haben und dies regelmäßig machen wollten. Also haben die sich ein Gebäude gesucht und ab gings dann. Zu der ganzen Entstehungsthematik gibt es auch ein Video.

Erste Sommerschlacht ever!

Abwanderung ist in Meck-Pomm, gerade in ländlichen Regionen, ein wichtiges Thema für politische und kulturelle Arbeit. Einige von euch beteiligen sich ja zum Beispiel auch von Neubrandenburg aus am Projekt. Wie sieht es bei euch damit aus, sind schon viele weggezogen und habt ihr deshalb Schwierigkeiten? Oder betrifft euch das so gar nicht?

Tee: Klar, ziehen immer mehr Leute weg, aber viele ziehen in größere Städte im Norden, d.h. Schwerin, Lübeck, Rostock, und sind trotzdem noch erreichbar für das KuT, helfen nach Möglichkeit mit oder sind auf Konzerten als Gäste hier. Eine Zeit sah es bei Plena manchmal so aus, dass sich mehr Leute aus umliegenden Städten treffen, um was am KuT zu reißen, als solche, die noch in Gadebusch wohnen. Das ist manchmal bisschen schade, hat aber, glaube ich, auch damit zu tun, dass viele garnicht mehr wissen, wieviel es bedeutet, in einer Kleinstadt einen wirklichen Freiraum wie das KuT zu haben. Und dass auch etwas Arbeit dazugehört, diesen Freiraum zu erhalten. Das ist vielen leider nicht klar und muss dann von ein paar wenigen aufgefangen bzw. übernommen werden. Viele Jüngere, von denen eh schon immer weniger zum KuT kommen, sehen dieses Problem auch nicht, bzw. ist es für sie einfach selbstverständlich, dass das KuT da ist und immer da sein wird…

Fabi: Klar sind paar Leute weg. Die meisten aber in der Region geblieben. Viele haben sich aber anderen Projekten gewidmet (Haus, Hof, Familie und so Kram). Früher waren wir ma gut 70 Leute zum Aufbau, heutzutage sind wir eher so 30. Mit vielen „Auswärtigen“, die einfach  Bock auf das Fest haben und uns megamäßig unterstützen. Das sind u.a. Leute, die das WE vorher schon das Resist schmeissen. 

Ich bin auch mal nach Berlin gegangen, bin aber trotzdem noch oft in Gadebusch, zu Plena und zur Sommerschlacht(-Orga) sowieso.

Jo: JA!!!!!!!!!! Auf jeden Fall! Leider, muss man das so sagen: Uns gehen die Leute aus.

Ohne externe Hilfe würden wir beispielsweise echt Probleme kriegen. Da gibt’s Leute von überall, die sind einmal zufällig da gewesen und sind seit vielen Jahren fester Bestandteil der Crew bis unersetzbar. Danke, an alle Helfer mal an dieser Stelle. Oi!.

Jedenfalls ist so, dass viele einfach weggezogen sind und sich teilweise an anderen coolen Projekten beteiligen, was ja auch super ist. Auch gibt es einige Leute, die Familien gegründet haben und jobtechnisch stark eingespannt sind. Was gerade fehlt, sind neue „junge“ Leute, die Bock haben sich einzubringen. Umso schöner ist es, dass die „alten“ auch in ihrer wenigen Freizeit trotzdem noch mit anpacken und zu den Konzerten kommen.

Das Punx Picnic hat in meinen Augen die größere Schnapslake, während es bei euch so kleine Attraktionen wie die Goa-Box gibt, insgesamt kommt ihr mir hippiehafter vor. Ist das gewollt oder hat sich das einfach so ergeben?

Tee: Liegt vielleicht an Leuten wie mir… 😉

Fabi: Haha.. Geniale Frage. Ich würd sagen das ergibt sich tatsächlich aus der unteschiedlichen musikalischen Ausrichtung. Neubrandenburg ist ja eher so die Nieten-Punker-Ecke mit viel Crust und so. Sowas findeste in Gadebusch ja eher selten bis gar nicht. Zur Sommerschlacht kommen viele junge Leute aus der Umgebung zu ihrem meist ersten Festival. Und bei uns loift SKA. Sowas wär aufm Punx-Picnic ja undenkbar. Wir versuchen das Line-Up immer ein bisschen zu mischen, das für möglich viele (unterschiedliche) Leute was dabei ist.

Jo: Hippiehaft ist in dem Fall nicht das richtige Wort. Klar liegt unser Schwerpunkt schon beim Punk. Doch der hat ja bekanntlich viele verschieden Facetten. Unser Publikum gibt nun tatsächlich nicht das klassische Bild von einem Punkfestival ala Force Attack oder Punx Picnic ab. Wie schon gesagt, es kommen auch Anwohner/ Eltern, Hippies und und und. Eben ne bunte Mischung an Leuten. Dementsprechend versuchen wir das Programm möglichst bunt und abwechselungsreich zu gestalten, sodass für jeden auch was dabei ist. Nur Nazis und ähnliches Gesocks dürfen natürlich draußen bleiben.

Und zur Goabox möchte ich sagen… Wir wollten sie mal weglassen. Doch haben „Punx“ auf dem Festival Unterschriften für den Erhalt der Box gesammelt. Natürlich mit Erfolg. Das Publikum kann mitbestimmen.

Welchen Anspruch habt ihr an euer eigenes Festival?

Tee: Ich glaube unser größter Anspruch ist der des DIY-Gedanken hinter der Sommerschlacht. Aufgrund von immer weniger Helfern auf der Sommerschlacht geben wir z.B. den Bühnenbau und die Technik für die große Bühne sowie die Secu-Geschichte in den letzten Jahren ab. Dann aber auch an kuhle Leute, die das zwar professionell machen, aber zur Sommerschlacht passen. Der zweite Anspruch ist es, unkommerziell zu sein und auch keinerlei Sponsoren zu haben, das KuT bezieht lediglich Fördergelder vom BdP oder KuKo. Und als dritten Anspruch würde ich vielleicht noch den des Freiraumes dazunehmen. Die Sommerschlacht ist für mich jedes Jahr für eineinhalb Wochen ein Ort, an dem nichts muss, alles kann.

Fabi: Mir ist der politische Anspruch wichtig. Das heisst: Keine Grauzonenbands (auch kein Merch tragen usw., da schaut unsere Secu drauf), kein Fleisch das wir verkaufen und am besten noch Infostände bzw. nen Vortrag als Input.

Generell ist uns die Offenheit wichtig. Ein Festival-WE für 20 öcken, frisch gezapftes Bier für 1,50 (whhaaaaaaaaaaaaaaaat!?) und jedeR kann sich sein Getränk mit aufs Gelände nehmen usw.

Und natürlich, dass hier die unterschiedlichsten Leute zusammen feiern können. Punks, Hippies, Skinheads, Antifas und z.B. die WakenstädterInnen. Ohne Grenzüberschreitung, Nazischeisse und so weiter.

Jo: Dass alle Leute, die da hinkommen, sowie die Crew eine tolle Zeit haben, fernab von Arbeit und Alltagsstress. Je mehr mithelfen, desto weniger müssen einzelne schuften.

Dass die Leute, die nicht aus der „Szene“ sind, mal eine Alternative zu Stadtfest und Dorfbums angeboten bekommen, um mal über den klassischen Tellerrand zu schauen.

Die Punkszene in und um Schwerin hat nicht mehr viele Läden/Orte, an denen sie sich sonst für Konzerte oder Polit-Arbeit treffen kann. Die Szene hat sich nach meinem Eindruck schon vor ein paar Jahren gespalten in Oi-Leute, die ins Dr. K gehen, früher ein ziemlich guter Laden, der mit der Zeit aber von vielen unangenehmen Gästen und Securities frequentiert wurde. Unter anderem wurden dort vor einigen Jahren Antifas vor der Tür eines Gumbles Konzertes zusammengeschlagen. Andererseits gibt es die Antifaschist*innen, die das Komplex gestalten. Ein Laden, wo auch viele Electro-/Drum&Base Konzerte stattfinden, aber wovon heute einige Orgas, auch aufgrund des Alters, mit der ehemaligen Punkszene um das Sub und Dr. K nicht mehr verbunden sind. Wie nehmt ihr die Szene um euch herum wahr und wo positioniert euch?

Tee: Es ist schwierig für das KuT zu sprechen, da sich dort viele verschiedene Menschen treffen. Gadebusch ist immer noch ein Dorf, dementsprechend findet man am KuT den Bauern von nebenan, den engagierten Komplex-Gänger, den unpolitischen Oi-Proll sowie viele viele Menschen, die außerhalb von Gadebusch wohnen und alle ihre kleine Nische gefunden haben und sich teilweise in völlig verschiedenen Kreisen bewegen und wohlfühlen. Ich glaube, früher war das etwas klarer abgegrenzt, inwzischen ist das KuT ein bunt zusammengewürfelter Haufen, der sich aber in seinen Grundprinzipien einigermaßen einig ist.

Fabi: Die einzigen Läden wo gefühlt noch was geht in Schwerin, ist das Komplex und der PKK (Paulskirchenkeller). Witzigerweise kommen auf der Sommerschlacht die „Punker-Szene“ und die Komplex-Leute zusammen. Einige helfen beim Aufbau, als Sani, auf der Bühne oder machen unseren Info-Point. Wir haben da sehr gute Beziehungen in alle Richtungen und bekommen da auch viel Unterstützung. Aber punkrock-mäßig geht in Gadebusch einfach mehr als in Schwerin.

Jo: Da ich seit vier Jahren wieder in Schwerin wohne, verbringe ich natürlich viel Zeit hier.

Hab mal einen Kühlschrankmagneten geschenkt bekommen, der das ganz gut ausdrückt (Berlin kann jeder, Schwerin muss man wollen). Und so ist es. Das Subversiv gibt es seit ein paar Jahren nicht mehr. Ins „K“ bin ich ewig nicht gegangen (FRÜHER, war ich mehrmals die Woche da), weil mich die Bands, Musikrichtungen und teilweise das Publikum nicht ansprechen. Seit der Rückkehr nach Schwerin war ich dann tatsächlich doch einmal da, weil ich mit meiner eigenen Band dort gespielt habe. Das war an sich ein schöner Abend. Vor 1-2 Jahren waren meiner Meinung wieder mal etwas coolere Leute am Start.

Von der Seite aus ist das Komplex die richtigere Adresse (auch meine Lieblingsadresse), da dort Musik und politisches Interesse einhergehen. Seit einiger Zeit gibt es einen Punkrocktresen mit regelmäßigen Konzerten. Ebenfalls der Mittwochstresen (sehr entspannt Mucke hören/ Tischtennis/ Kickern/Getränk, manchmal auch mit Konzerten). Auch das Tiko in Wismar hat einen Punkrocktresen mit Konzerten. Die Scheune in Parchim hat wieder geöffnet. Das VeB in Lübeck ist auch immer ne gute Adresse. Also, wenn man was machen will, kann man das auch. Ansonsten sind Rostock, Hamburg und Berlin keine Weltreise.

Ich frage das auch, weil ihr ja vor Längerem mal ein (wenig beworbenes) Gumbles-Konzert veranstaltet habt, während sich euer Publikum bei der Sommerschlacht aber eher nicht unbedingt aus „unpoliddischen“ Leuten zusammensetzt. Ihr scheint etwas zwischen den Stühlen Platz genommen zu haben. Seht ihr das ähnlich?

Tee: Zwischen den Stühlen stimmt bzw. würde ich eher sagen auf mehreren Stühlen, wie schon erwähnt. Im KuT gibt es viele verschiedene Menschen, viele verschiedene Freundeskreise. Deswegen auch manchmal Konzerte, die den einen vielleicht gar nicht mal so in den Kram passen, die andere aber völlig ok finden. Wieder kommt da das „jeder so wie er will“ zu Sprache, solange es in einem Rahmen bleibt, mit dem alle kuhl sind. Dass Nazis kacke sind, darüber sind sich alle einig. Klar gehört für viele mehr dazu im KuT, die engagieren sich mehr politisch, sozial oder kulturell, die anderen weniger. Aber auch diese Mischung macht das KuT aus.

Fabi: Dieses Konzert war auch unter uns kein unumstrittenes. Ich persönlich war dagegen, weil sie sich für mein Empfinden nicht klar genug politisch positionieren. Viele hatten auch Bedenken, dass der Laden sich dann mit den „klassichen“ Oi!-Prollo-Macker Dudes füllt (das ist jetzt sehr stigmatisierend, ich weiß). Deswegen gabs auch eher wenig Werbung.

Da viele, die im Kulturbeutel rumhängen und sich engagieren , die Mucke ganz gern hören und damit iwi auch groß geworden sind, wurde sich dafür entschieden, die Anfrage von Gumbles anzunehmen.

Jo: Wann war das? Frühjahr 2014, hab ich gerade noch mal geguckt. Ich weiß grad gar nicht wer das geplant hat. Ist auch egal. Es wurde wirklich wenig beworben, das stimmt schon. Hatte jedoch den Grund, den Laden nicht explodieren zu lassen und das Haus mit irgendwelchen Oi Leuten voll zumachen. Das sollte dann schon eher im kleineren Rahmen bleiben, um da die Übersicht zu haben. Die hatten auch selbst angefragt, ob sie mal bei uns spielen können, weil sie das KUT (gleich kommt es wieder…) von FRÜHER aus ihren Anfangstagen kennen.

Dass die Band nicht für jeden die politisch korrekteste Band ist, ist kein Geheimnis. Das wird wahrscheinlich auch immer ein Thema zum Diskutieren sein. Letztendlich hatten Leute vom KuT Bock drauf, es wurde abgestimmt und umgesetzt. Ich denke jedenfalls nicht, dass wir zwischen den Stühlen Platz genommen haben. Die politische Ausrichtung vom KuT ist klar und die Leute wissen das, oder werden gegebenenfalls darauf hingewiesen.

Wakenstädt bei Gadebusch ist ein Dorf. Hattet ihr in der Vergangenheit Schwierigkeiten, die Sommerschlacht zu veranstalten? Mit Leuten vor Ort, Behörden, dem Staatsschutz?

Tee: 2018 z.B. hatten wir keinerlei Probleme, sämtliche Behörden und die Polizei haben uns unerwartet völlig ignoriert. Lediglich der Bauer des angrenzenden Feldes, das eigentlich unser Park- und Zeltplatz sein sollte, hat uns die Nutung wegen Brandschutz verwährt, was aber auch aufgrund der Hitze im Sommer verständlich war. 2017 gab es ganz schön Stress mit der örtlichen Polizei, die uns noch vier Stunden vor Beginn der Sommerschlacht gesagt haben, dass die Veranstaltung so nicht durchführbar sei. Reine Schikane. Ging dann trotzdem alles. Nur mit mehr Heckmeck und Stress für alle. Bescheuert. Die Jahre davor wurde immer alles mit dem Ordnungsamt geklärt, inklusive Abnahme des Platzes. War nie ein Problem. Das Ordnungsamt Gadebusch ist uns doch immer noch relativ gut gesonnen. Ein Glück.

Fabi: 2017 wollte uns am Freitagvormittag die Polizei (aus Wismar…) einen Strich durch die Rechnung machen und war auf einmal nicht mehr mit unserer Secu einverstanden. Wir hatten zum Glück das Gadebuscher Ordnungsamt auf unserer Seite, die da mächtig Druck gemacht haben, und so lief alles seinen Gang.

Generell ist auf Behördenseite eigentlich immer alles entspannt, wir machen das ja mittlerweile auch schon n bisschen länger und sie wissen, dass wir das ja immer ganz gut machen.

Jo: Soweit ich das weiß, eigentlich kein Stress. Wie bereits gesagt, es gibt Anwohner, die freuen sich drauf. Das läuft seit Jahren recht reibungslos. Außer eben 2017, da meinte die Polizei am Tag des Festivalbeginn, dass das Ganze nicht stattfinden könne. Die kamen plötzlich mit irgendeinem Blödsinn, wegen der Secu*s und dem Sicherheitskonzept. Die ländlichere Polizei verkennt manchmal ihre Rechte und Pflichten. Und der Staatsschutz hat auch immer mal wieder gefragt, ob wir meinen, dass Nazis vorbeikommen könnten.

War die SVZ (Schweriner Volkszeitung) jemals da oder hat über euch berichtet?

Tee: Soweit ich weiß, war jedes Jahr ein Vertreter da, der dann immer einen mehr oder weniger sinnvollen Artikel geschrieben hat…

Fabi: Tatsächlich war Nr. 14 das erste Jahr, in dem die SVZ nicht am Start war. Kein Plan, warum. Vielleicht kommen sie nur auf Einladung!?

AnwohnerInnen kennen das ja mittlerweile auch, ist ja schon immer das 2. August Wochenende. Meistens sagen sie uns auf unserer Dorfrunde die Tage davor, dass der Schießplatz ihnen mehr auf den Keks geht als ein Wochenende Krach aus der Kuhle.

Jo: Die SVZ war eigentlich immer da. Aber irgendwie wurde die letzten Jahre immer dasselbe geschrieben, sodass wir zuletzt nicht mehr so hinterher waren.

Ihr schreibt auf eurer Website: „die älteren Besucher um die 40 Jahre“. Schafft ihr ein Angebot, dass Anwohner*innen von zum Beispiel kostenlos vorbeigucken können oder wollt ihr mit denen nix zu tun haben, bzw. die nicht mit euch?

Tee: 40 stimmt nicht so ganz, es sind auch viele Ältere da. Anwohner*innen aus Wakenstädt können die Sommerschlacht kostenlos besuchen und sind auch gern willkommen. Es sind ja auch jedes Jahr viele Eltern von KuTlern da, um zu sehen, was die Kids so auf die Beine stellen… 🙂

Fabi: Ja, die WakenstädterInnen kommen für lau rein. Es kommen auch einige. Aber bei weitem nicht alle.

Jo: Ja genau. Das ist gesetzt, Wakenstädter kommen kostenlos rauf. Das hat sich über die Jahre sehr gut etabliert. Damals haben sie immer gefragt, ob das geht. Heute ziehen sie ihren Ausweis und gehen rauf. Läuft!!! Die Leute kommen denn ja auch mit ihren Kindern tagsüber. Is doch geil. Und vielleicht kommen die Kinder auch irgendwann mal zum Aufbau oder machen ne Einlassschicht. Das wäre ein Traum.

Arbeitet ihr mit Firmen und Vereinen vor Ort zusammen, um die Infrastruktur zu stellen und wie klappt das so?

Tee: Teilweise. Was an Angeboten in Gadebusch und Umgebung vorhanden ist, wird auch genutzt, sei es die Lieferung von Getränken, Baumaterialien, Technikausleihe oder die Brötchen für das Frühstück. Die Zusammenarbeit mit diesen Firmen ist sehr entspannt, da diese auch schon Jahre besteht und sie den ganzen bunten Haufen ja auch inzwischen kennen.

Fabi: Vor allem aber mit unserem Getränkelieferanten. Den Rest organisieren wir eher alleine bzw. bringen die Leute ihren eigenen Kram mit, um ihn zu verbauen. Nagut … Mittlerweile hat sich das auch n bisschen geändert. Früher haben wir noch die Bühne selbst gebaut und uns irgendwie irgendwo Technik zusammengeschnorrt. Heute mieten wir uns ne Trailerbühne, die inner Stunde aufgebaut ist, und es kommt auch jemand mit nem LKW voller Technik, der auch das ganze Fest abmischt. Das macht uns das Leben viel leichter und ist eine klare Qualitätssteigerung für die Ohren. Von vor Ort kommen die aber nicht. Sogar ne Secu aus Sachsen hatten wir 2018. (Zu Urzeiten standen 2 besoffene Leute aus der Orga als „Secu“ am Einlass..)

Jo: An sich arbeiten wir kaum bis gar nicht mit Firmen zusammen. Wobei die Gadebuscher Feuerwehr seit Jahren ein guter Partner ist. Natürlich auch der Verein, der uns den Platz vermietet. Etwas aufwändiger ist manchmal nur die Zusammenarbeit mit dem Landwirt, bezüglich der Parkflächen. Ansonsten läuft alles ohne Problem ab.

Ihr wirkt sehr ausdauernd, als ob nach all den Jahren immer noch nicht die Luft raus ist. Habt ihr keinerlei Erschöpfungserscheinungen, esst ihr so gesund oder was treibt euch an?

Tee: „Früher war alles besser!“. Diesen Satz höre ich schon öfter mal am KuT. Es war mehr los. Es ging mehr. Alle haben irgendwie mehr gerissen. Die erste Generation der KuTler ist nicht mehr so aktiv, viele kenne ich wie gesagt gar nicht mehr persönlich und nur aus Erzählungen. Ich bin in einer bayerischen Kleinstadt (die immerhin doppelt so viele Einwohner wie Gadebusch hat) aufgewachsen. Dort gab und gibt es keinerlei vergleichbare Strukturen wie in Mecklenburg und auch keine Treffpunkte für Jugendliche wie das KuT. Ich finde es deshalb für mich persönlich sehr wichtig, das KuT als Freiraum zu verteidigen und zu erhalten.

Fabi: Nee.. die Motivation ist da wie immer. Auch wenn die Orga im Voraus von weniger Leuten gestemmt wird, sind wir mittlerweile an dem Punkt, dass zum Aufbau auch wieder Leute von früher kommen und/oder Leute, die wir von anderen Projekten/Festivals kennen. Ist also immer ein großes Familientreffen. Wir machen die Party irgendwie immernoch n Stückweit für uns selbst.

Jo: Nach dem Festival denk ich mir jedes Mal, so „reicht auch wieder“. Nach ein, zwei Wochen freu ich mich aber schon wieder aufs kommende Jahr. Ich hoffe, dass es den anderen auch so geht. Der Antrieb ist natürlich, gemeinsam das Ding auf die Beine zu stellen und durchzuziehen. Wahrscheinlich auch das ein oder andere Lübzer (wegen der Gesundheit)

Baut ihr immer noch jedes Jahr das Boot zusammen und wie kam es eigentlich mal dazu?

Tee: Auch das war fast vor meiner Zeit im KuT und auf der Sommerschlacht. Das Boot wurde, denke ich, von sehr motivierten Wandergesellen oder immerhin handwerklich begabten Menschen aus dem KuT-Umfeld gebaut und hat als Cocktailtresen gedient. Den gibt’s ja immer noch auf der Sommerschlacht. Und sieht auch jedes Jahr anders aus. Inzwischen wird er aber in etwas unaufwändigerem Rahmen gebaut, da für so ein Schiff schon viel Zeit und Mühe notwendig ist und uns dazu einfach die Kapazitäten fehlen. Unser Tresen ist aber trotzdem jedes Jahr ein Unikat, und wir denken uns jedes Jahr neuen Quatsch aus. 🙂

Fabi: Ouha. Nee. Das haben wir 2 Jahre gemacht (2010+2011 glaub ich). Seitdem wechselt das Design des Cocktailtresens immer. Dazwischen gabs ma den „Buddel-Bus“ mit nem alten Fahrerstand von nem LKW vorne dran. 2018 hatten wir einen Riesentresen im Hangar-Style. Aber ja, wir bauen das jedes Jahr alles wieder vorn vorne auf.

Jo: Es gab die letzten Jahre immer wieder neue unterschiedliche Bauten. Das macht die ganze Sache, jedoch auch wieder von Jahr zu Jahr spannend.

2019 kam die 15. Festivalausgabe. Als Veranstalterin weiß man ja, vorher ist nachher und so. Habt ihr das Jubiläum ganz akribisch vorbereitet oder in bewährter Routine?

Tee: Im November im Jahr davor gabs ein Bookingtreffen. Bis dahin hatten sich alle Bandvorschläge überlegt. Erst im Winter begannen dann wieder die Vorbereitungen fürs nächste Jahr.

Fabi: Weder noch. Es gibt so gegen Dezember das Booking-Plenum. Und dann ging’s auch damals wieder richtig los. Das meiste passiert eh erst in den 2 Monaten vor dem Festival, wenn das WE langsam greifbar wird.

Wenn ihr euch von den Besucher*innen was wünschen könntet, was wäre das?

Tee: Puh. Viele haben inzwischen verstanden, dass ein DIY-Festival auch von den Besucher*innen gemacht wird, dass sich jeder einbringen kann bzw. schon hilft, wenn er seine/ihre Kippenstummel in den Aschenbecher wirft und nicht einfach auf den Boden. Deswegen bin ich eigentlich ganz glücklich mit der bunten Mischung an Gästen, die die Sommerschlacht besuchen.

Fabi: Zusammen feiern ist geil. Organisiert euch auch nach dem Fest und gestaltet mit. Sei es die Sommerschlacht, sei es ein eigener Konzertladen, Demo-Gruppe whatever. In Zeiten von AfD und Co ist es wichtig, den Arsch hochzukriegen. Nicht nur zum Saufen.

Jo: Auf jeden Fall, aber beim Festival trinkt gern mehr Bier. Und Müll gehört in die vorgesehen Behälter, denn können wir das mit dem Müllpfand auch wieder sein lassen. Spart Zeit, Geld und Arbeit!

Wenn sich Besucher*innen was von euch wünschen würden, was würdet ihr nie tun?

Tee: Bratwurst verkaufen! 🙂

Fabi: Wir würden nie die GOA-Box einstampfen und keinen Grauzonenscheiss auf die Bühne holen. Oi!

Jo: Auf Bewährung zum X-sten mal spielen lassen. Haha. Obwohl das ja nicht in unserer Hand liegt, da sie sich ja leider aufgelöst haben. Sehr, sehr schade. Schön ein geiles Album machen, über nen starkes Punkrocklabel wie Twisted Chords veröffentlichen, Slots auf den „großen“ Festivals an Land ziehen und dann einfach aufhören. Das hat Stil.

Wir nähern uns dem Ende der Fragen. Wie geht’s dem Kut mittlerweile? 2019 wurde ja die Situation öffentlich, dass das Haus schwierig zu halten sein könnte, Konzerte finden ausdrücklich als Vereinsveranstaltungen statt usw. Mittlerweile scheint sich das wieder etwas beruhigt zu haben, oder täuscht der Eindruck?

Tee: Dem KuT gehts nach wie vor so lala. Seit 2018 hat sich die Situation nicht grundlegend geändert, durch Corona eher noch verschlechtert, aber das liegt ja nicht in unserer Macht gerade. Öffentliche Veranstaltungen sind im KuT nach wie vor nicht gestattet. Es gab ein paar öffentliche Konzerte an anderen umliegenden Orten, aber auch da ist die Motivation geringer geworden. Ansonsten ist der Vereinsbetrieb – mal abgesehen von den Corona-Einschränkungen – im KuT möglich. Es gibt also weiterhin unregelmäßige Treffen zum Kickern, Darten, Mucke machen und Bierchen trinken. Gerade in Zeiten, in welchen auch andernorts fast keine Konzerte und Veranstaltungen stattfinden, sind wir froh, noch einen kleinen Zufluchtsort in Gadebusch zu haben, an dem fast alles wie immer ist. Die Annäherung an die Stadt Gadebusch nimmt Formen an: Durch die Bürgermeisterwahl 2018 gibt es nun ein neues Stadtoberhaupt. Der neue Bürgermeister nimmt das KuT und den Verein ernst und die Zusammenarbeit wächst.

In nächster Umgebung des KuTs werden in naher Zukunft wohl aus vielen anliegenden Grünflächen Wohngebiete entstehen. So weit wir wissen, war oder ist dies auch mit dem Gelände des KuTs geplant. Es gibt jedoch auch schon Aussagen der Stadt Gadebusch, dass eine Erhaltung bzw. Um- oder Neubau des KuTs am aktuellen Standpunkt möglich wäre und ein Teil der Fläche zu einem Erholungsgebiet, Freizeitflächen oder ähnliches für alle
BürgerInnen Gadebuschs werden soll.

Das KuT hat nun der Stadt Gadebusch ein Konzept vorgelegt, was die zukünftige Nutzung des KuT-Geländes betrifft. Darin ist auf jeden Fall ein langjähriger Pachtvertrag und ein Um- oder Neubau des Vereinsgebäudes vorgesehen, damit wir in Zukunft endlich (mal wieder) ganz legal feiern können. Wir warten nun auf Reaktionen der Stadt und können uns dann hoffentlich konkreteren Plänen widmen.

Fabi: Das KuT muss sterben, damit es leben kann. Offiziel geht im KuT immer noch nix, da das Gebäude auf dem Papier schlicht und einfach nicht existiert. Aktuell kommt aber Schwung in die Sache. Mit der Wahl eines neuen Bürgermeisters gibt es jetzt jemanden in dem Amt, der mit uns konstruktive Gespräche führt und bei dem wir nicht auf Ablehnung stoßen.

Das Gebiet, in dem der Kukturbeutel steht, ist eines der letzten möglichen Baugebiete Gadebuschs. Das heißt, wir werden in den nächsten Jahren neue NachbarInnen bekommen und unsere Befürchtung ist bzw. war, dass wir weichen müssen. Allerdings wurde uns von Seiten der Stadt signalisiert, dass wir an dem Standort (den wir lieben, immerhin sind wir hier groß geworden) wahrscheinlich bleiben können. Jetzt mahlen die Mühlen der Bürokratie unser Konzept durch und wir hoffen, dass wir bald alle wieder zusammen im KuT feiern, planen & die Welt (oder zumindest Gadebusch) verändern können.

Eine Institution in Sachen Musikkultur – neben vielen anderen Angeboten des KuT

Jo: An Veranstaltungen im „eigenen“ Haus fehlt es natürlich immer noch, da die Lage vor Ort angespannt ist. Dafür gibt es aktuell viele Ideen und Treffen, wie es weitergehen soll. Da gibt es inzwischen eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Bürgermeister und der Stadtvertretung. Was Konkretes hat sich noch nicht aufgetan und wird bestimmt noch etwas Zeit dauern. Alternativ beteiligt sich der Verein an anderen Events im regionalen Geschehen.

Persönlich gefällt mir aber, dass sich zuletzt mehrere Bands zum Proben zusammengefunden haben und mit dem KuT einen Raum haben, sich zu treffen.

2020 fand ja kein Festival statt. Ihr wart eine der wenigen Strukturen, die geschrieben haben, ihnen ginge es (zum Glück) nicht so mies, dass sie ein Crowdfunding (wie das PWH, Komplex und viele andere kulturell-politische Einrichtungen) anleiern mussten. Wie ist der (Konto-)Stand bei euch?

Tee: Dass die Sommerschlacht ausgefallen ist, ist zwar für alle sehr schade und ein wichtiges Ereignis im Vereinsleben ist damit weggefallen. Wir haben aber im Vorraus keinerlei größere unwiderruflichen Ausgaben bezüglich der Sommerschlacht, und darum reißt uns dieser Wegfall jetzt kein riesiges Loch in unsere Vereinskasse.
Genauso verhält es sich mit dem Kut. Wir haben ja keinerlei großartigen Kosten, nur die üblichen monatlichen Abschläge, die auch jeder Privatmensch so normalerweise zu zahlen hat. Unser Glück ist auch, dass wir keine Miete für unser Vereinsheim zahlen und die restlichen Kosten größtenteils durch Mitgliedsbeiträge und Spenden gedeckelt werden können. Wenn dies nicht so wäre, hätte uns nicht die Corona-Situation in die Knie gezwungen, sondern wir hätten schon vorher, seit 2018, ständig kämpfen müssen, um schwarze Zahlen schreiben zu können. Das ist zum Glück nicht so und wir können uns trotz fehlender Veranstaltungen ganz gut über Wasser halten.

Fabi: Die Sommerschlacht lebt von ihrer Eigenregie, ohne viele Firmen usw. im Hintergrund. Das heißt, unsere realen Kosten entstehen alle erst am Wochenende selbst. Wir hatten allerdings auch das große Glück, dass alle unsere UnterstützerInnen und Firmen, von der Technikleihe über Bühne bis hin zu den Dixis, sehr spontan und entspannt mit der Situation umgegangen sind und uns lange Zeit für die Entscheidung gegeben haben, ohne irgendwelche Verträge aufsetzen zu wollen.
Klar schrumpft jetzt unser Budget für die Vorproduktion (Flyer, Aufbau etc.), aber zum Glück haben viele unserer Gäste uns ihre bereits im VVK erworbene Karte als Spende überlassen. Da müssen wa nächstes Jahr wohl mal paar Pfeffi spendieren…

Jo: Im Gegensatz zum Komplex, PWH, etc. haben wir ja keine laufenden Kosten, wie Mieten oder Kredittilgungen. Das ist dann wohl (glücklicherweise) der schlechten Situation mit unseren Räumlichkeiten zu verdanken. :D. Daher ist es für uns tatsächlich entspannt gewesen. Da wir ja viel DIY arbeiten, hatten wir auch bei der Planung der Sommerschlacht keine vertraglichen Verpflichtungen oder Ausfallkosten zu zahlen. Trotzdem war es mega schade, das Ganze nicht umsetzen zu können.

Nach klaren Plänen für die Sommmerschlacht 2021 brauche ich ja jetzt noch nicht groß zu fragen. Aber ihr seid ja sicher auch aktuell im Gespräch. Was sind eure Überlegungen, sollte die Veranstaltung wieder drin sein? Gleiches Line Up, also zweiter Versuch, neu würfeln (weil im Punk Bands ja auch wieder schnell out sind :D), weniger Teilnehmer_innen? Oder ist das doch einfach zu früh gefragt?

Tee: Bisher gehen wir eigentlich davon aus, dass die Sommerschlacht 2021 so stattfinden kann wie alle anderen Sommerschlachten bisher auch. Das Line-Up soll soweit möglich das Gleiche (wie 2020) bleiben – die meisten Bands haben auch schon zugesagt.
Wir haben uns noch nicht viele Gedanken darüber gemacht, wie und ob denn eine Sommerschlacht unter Corona-Auflagen im nächsten Jahr möglich wäre. Dazu ist es auch noch etwas zu früh – wir bleiben auf jeden Fall wieder optimistisch bis zum Schluss! 🙂

Fabi: Der Plan ist klar: alle Bands haben wieder zugesagt, es wird einfach richtig großartig werden. Genauere Pläne gibts nicht, weil sich ja Beschränkungen und Auflagen eh im 2-Wochen-Takt aktualisieren. Von daher, erstmal abwarten und Bier trinken. Wir bleiben optimistisch.
Danke, dass wir ein Teil deines Heftes sein dürfen ❤

Jo: Da ja nun der zweite Lockdown startet, ist es tatsächlich zu früh gefragt. Obwohl sich das Line up nicht großartig ändern wird, sollte das Festival stattfinden  können. Heißt: Es muss nur das Datum geändert werden und wir könnten uns auf andere Dinge konzentrieren 😀 Im Gegenzug ist es auch schade für die Bands, die sich 2020 neugegründet haben und gerne auf die Bühnen möchten.

DANKE EUCH! ❤

http://www.sommerschlacht.de/

http://www.kut-gadebusch.party/

This is not the end…

Zum Schluss ein D.I.Y.-bzw. D.I.T (Do It Together) Aufruf an alle Gäste, Stand-People, Bands, Wakenstädter_innen!

Geben wir der Sommerschlacht mal ein Stück Love zurück, in Form von Festival-Erinnerungen der letzten 15 Jahre. Für jede Festival-Ausgabe eine Erinnerung von einer Person, so eine halbe Seite Rückblende, supergern mit Foto(s), ist der Plan. Versammelt werden diese Texte in einem kleinen gedruckten Zine vom lieben Jo (hallo, Bastelfreund!) und mir zur nächsten Sommerschlacht am 13. und 14. August 2021 – von uns für uns alle.

Dieses Festival-Zine ist den Leuten gewidmet, die sich seit Jahren den Arsch aufreissen und uns jeden Sommer einen schönen Schutz- und Feierraum organisieren, in dem wir auftanken, uns alle sehen und eine gute Zeit bei bester Musik haben können. Wer dabei ist, schreibt bitte und am besten gleich einen kurzen Kommentar hier auf die Website www.punkshewrote, direkt unter dieses Interview.

Schreib bitte, für welches Jahr du eine Erinnerung beisteuern kannst, gespickt mit Anekdoten oder einfach guten Eindrücken 🙂 Die Idee ist wie geschrieben, dass für jedes bisherige Festival-Jahr ein kurzer persönlicher Rückblick zusammenkommt. Fotos könnt ihr schicken an kadda@systemausfall.org. Deinen Text schick bitte bis zum Frühjahr (wenn der Amsel-Anteil wieder größer ist als der von Krähen) auch an diese Adresse. Wir werden euch wie echte Deadline-Punx natürlich erinnern… 😉 Still <3ing Sommerschlacht!

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