Das kürzeste Interview der Welt, diesmal mit: Steff (Alarmsignal)

In „Brennende Barrikaden“ habt ihr getextet „Ich hingegen, träume, sozusagen, von (…) Einem Volk, dass aufschreit und verkündet: Wir ham die Scheiße satt, Faxen dicke, nichts paletti, wir gewähren nicht mehr Rabatt“. Habt ihr euch jemals nach Pegida am Kopf gekratzt und gedacht, puh, das ist ja jetzt eingetreten?

Der Song wurde ja 2012 veröffentlicht und 2 Jahre vorher geschrieben – also 2010 und somit weit vor Pegida. Anlass des Songtextes waren damals in erster Linie die schweren Ausschreitungen bei den Protesten gegen Stuttgart 21. Und genau bei diesen Protesten sah man eben nicht nur die typischen Personengruppen, sondern neben den Autonomen, den Punkern oder den Hippies, fanden sich auch viele… ähm, sagen wir mal “Normalbürger älterer Generationen aus der Mitte der Gesellschaft“ wieder, die mit linken Protestler_Innen Hand in Hand gegangen sind und später teilweise auch Opfer von krasser Polizeigewalt wurden. Das war damals ja ein ziemlicher Skandal, weil auch vor älteren Menschen nicht Halt gemacht wurde und diese wohl zum ersten Mal in ihrem Leben diese Form von Staatsgewalt erfahren haben und trotzdem am nächsten Tag wieder auf der Straße waren. Wir hatten damals für ein paar Tage das Gefühl, dass diese Kombination aus Menschen, mit ihrer Gegenwehr und ihren kreativen und unterschiedlichen Formen von Protesten, das Bauprojekt tatsächlich noch kippen kann – auch bedingt durch die mediale Aufmerksamkeit, die durch die Polizeigewalt an älteren Menschen ja eher zu- als abnahm. Diese Umstände waren schließlich Inspiration zum Song und weil es eben nicht nur die klassischen Demogänger_Innen waren, haben wir die Umschreibung “Volk“ benutzt. Und dadurch, dass wir von “Brennenden Barrikaden“ singen und der patriotische Durchschnittsdeutsche unserer Meinung nach weniger von “Brennenden Barrikaden“ träumt, war für uns vorausgesetzt, dass man die Umschreibung “Volk“ automatisch mit “linkem Volk“ assoziiert. Soweit zur Textinspiration und zur “damaligen“ Wortwahl. Wenn wir aber heute, 8 Jahre später, den Blick auf die ganzen “Wutbürger“ und die “Wir-sind-das-Volk-Jammerlappen“ richten und wir dann die Textzeile mit “dem Volk, dass aufschreit“ gegenüberstellen, dann müssen wir zugeben, dass wir uns deswegen tatsächlich schon am Kopf gekratzt haben. Klar, jeder weiß natürlich, welches “Volk“ wir meinen und welches nicht, aber der Begriff hat einfach einen faden und – auch für uns – störenden Beigeschmack, weshalb er Live unlängst gegen “eine Gang, die aufschreit“ ausgetauscht wurde.

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